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Abwägen von Krankheits- und Impfrisiko

Das Impfen ist zwar ein Vorgang, der der Natur „abgeschaut“ wurde. Reaktionen im Sinne einer Impfnebenwirkung oder Impfkrankheit können aber nie ganz ausgeschlossen werden. Da in Österreich keine Impfpflicht besteht, liegt es in der Verantwortung der Eltern/Erziehungsberechtigten zu entscheiden, ob, wann und wogegen ihr Kind geimpft werden soll und die Folgen einer „natürlichen Erkrankung“ dem möglichen Impfrisiko gegenüberzustellen.

Die Abwägung des Risikos einer Erkrankung mit dem möglichen Risiko einer Impfung muss auf vernünftiger, wissenschaftlich belegter Basis getroffen werden. Bloße Schlagworte helfen niemandem. Manche Berichte in Medien schüren Ängste − ob nun pro Impfung („Vogelgrippe wird die Menschheit ausrotten“) oder contra Impfung („Impfungen machen krank, Impfungen lösen einen immunologischen Schock aus“). Darüber hinaus sind im Internet einige sehr unsachliche Homepages „radikaler Impfgegner“ zu finden.

Dem wirkt das öffentliche Gesundheitswesen entgegen und unterstützt Eltern bei der Abwägung der Impfentscheidung:

  • Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) der Republik Österreich veröffentlicht jährlich die jeweils gültigen Impfempfehlungen und den offiziellen Impfplan auf Basis der wissenschaftlichen Expertise durch das Nationale Impfgremium. Dieser Ausschuss besteht ausschließlich aus unabhängigen ExpertInnen des öffentlichen Gesundheitswesens in Österreich. Die Mitglieder sind in den laufenden Stand der Anwendungsbeobachtung von Impfstoffen eingebunden.
  • Das Land Steiermark führt im Rahmen der Fachabteilung Gesundheit und Pflegemanagement das Fachreferat Sanitätsdirektion/Medizinische Services mit der Reisemedizinischen Impf- und Beratungsstelle. Es ist u. a. für die Kontrolle von Infektionskrankheiten und für die Infektionsepidemiologie zuständig.
  • Im Auftrag und unter Kontrolle dieses Referates führt die Wissenschaftliche Akademie für Vorsorgemedizin Informationsmaßnahmen zu den Themen Impfung und Mutter-Kind-Pass durch und gibt das „Scheckheft Gesundheit für Eltern und Kind“ heraus.
  • Das Land Steiermark, die Sozialversicherungen und die Republik Österreich stellen im Rahmen der Gratis-Impfaktionen für Kinder von 0 bis 15 Jahren die wichtigsten Impfungen für Kinder/Jugendliche gratis zur Verfügung. Damit wird allfälligen, für das Gemeinwesen gefährlichen Massenausbrüchen (Epidemien) effektiv vorgebeugt.


Erkrankungs- und Impfrisiko in Zahlen

Beispiel Masern: Impffolgen vs. Krankheitsfolgen

Masernimpfung (Nebenwirkungen) Masernerkrankung (Wildvirus) 
Fieber 5-15%: Dauer 1-2 Tage ab dem 7. Tag nach der Impfung Fieber 98%
Fieberkrampf 0,3:1000 Fieberkrampf 7-8:100
Exanthem (Impfmasern) 3-5 %: 9.-12. Tag (Prodomi = erste Anzeichen 5.-8. Tag nach Impfung) Makulopapulöses Exanthem (Ausschlag) 98% 
Sehr selten: Otitis media (Mittelohrentzündung) häufig: Otitis media (Mittelohrentzündung)
Thrombopenie (Erniedrigung der Blutplättchenzahl) 1:30.000-50.000 Thrombopenie (Erniedrigung der Blutplättchenzahl) 1:3000-6000 ("black measles")
Enzephalitis fraglich; wenn ursächlich, dann <1:1.000.000 Enzephalitis 1:1.000-10.000; 10-20% tödlich verlaufend 20-30% Defektheilung (= Folgeschäden)
keine SSPE (subakute sklerosierende Panenzephalitis) SSPE  5-22:1.000.000 (1. Lj 1:8000); 100% tödlich verlaufend

Die Gesamtletalität (Todesrate) für Masernerkrankungen ist nur schwer in genauen Zahlen anzugeben und variiert je nachdem, welche Ausbrüche für die Berechnung herangezogen werden. Das Robert Koch Institut gibt die Todesrate in entwickelten Ländern mit 0,05 bis 0,1%, also 1 auf 1.000 bis 2.000 Erkrankungsfälle an.

Quellen:
DDr. Wolfgang Maurer, Impfkomplikationen, Fortbildungsveranstaltung Pädiatrischer Frühling, 7. Mai 2004, Schloss Seggau/Stmk.
Robert Koch Institut: Masern RKI-Ratgeber für Ärzte.
 

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