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Sind alle Impfungen gleich wichtig?

Nein. Die Wertigkeit einer Impfung ergibt sich aus mehreren Faktoren, und zwar:

  • Wie häufig kann eine Infektion erfolgen?
  • Wie hoch ist die Ansteckungsfähigkeit der Erkrankung?
  • Wie schwerwiegend sind die klinischen Symptome und mögliche Komplikationen?

An einem konkreten Beispiel:
- Wenn es nur 100 Zecken in der Steiermark gäbe (Häufigkeit gering),
- wenn eine Zecke 100 Mal stechen müsste, um ihre Fracht zu übertragen (Ansteckungsfähigkeit gering),
- wenn man bei Ansteckung nur ein bisschen Kopfweh oder Fieber bekäme (leichte Symptome),
dann müsste man nicht impfen. Aber so ist es leider nicht.

Oder:
- Wenn die Tetanuserreger nur über Tierbisse ins Gewebe gelangen würden und nicht über jede verschmutzte Wunde,
- wenn dabei nicht schon ein ganz kleiner Dorn oder Splitter genügen würde und
- wenn die Erreger nur leicht behandelbare Wundeiterungen auslösen würden,
dann bräuchte man nicht impfen. All das gilt für Tetanus aber leider nicht.

Die Wertigkeit einer Impfung hängt auch von Merkmalen des Impfstoffs ab:

  1. Effektivität (= Schutzrate; eine Impfung, die nicht hinreichend sicher schützt, bringt nichts)
  2. Verträglichkeit (wenn eine Impfung ganz schlecht verträglich wäre, würde man sie nicht einsetzen)
  3. Praktikabilität (eine Impfung muss auch einfach anwendbar sein)
  4. Kosten-Nutzen-Rechnung kann auch eine gewisse Rolle spielen

Man nimmt auf die Wertigkeit einer Impfung Bedacht, indem man z. B. für bestimmte Berufsgruppen (Risikogruppen) oder Altersgruppen „individuelle“ Impfpläne erstellt.
Für Fernreisen werden jene speziellen Impfungen angeraten, die im entsprechenden Land erforderlich sind. Mit ihnen ist die/der Reisende vor den dort auftretenden Infektionskrankheiten geschützt. Einige Impfungen (wie z. B. jene gegen Tuberkulose oder Pocken) wurden bei uns ausgesetzt, weil die ursprüngliche Gefährdung nicht mehr gegeben ist. Tuberkulose konnte in Mitteleuropa stark zurückgedrängt werden. Sie ist auch bei weitem nicht so ansteckend wie Masern oder Influenza. Es erkrankt auch nur ein geringer Prozentsatz der infizierten Personen. Die zur Verfügung stehende Impfung bietet nur einen relativen Schutz und kann abszessähnliche Lokalreaktionen verursachen. Die Krankheit ist mit Medikamenten derzeit sicher ausheilbar. Bei Kindern kann der Krankheitsausbruch bei frühzeitiger Untersuchung der Kontaktpersonen überhaupt verhindert werden. Die Tuberkulose-Impfung wird daher bei uns derzeit allgemein nicht mehr empfohlen. Die Bewertung kann sich aber bei Zunahme von Medikamentenresistenz und Entwicklung eines wirksameren und besser verträglichen Impfstoffes wieder ändern.

Impfschutz in Zahlen

FSME in Österreich: Eine Erfolgsgeschichte

FSME-Fälle in Österreich vor Einführung der Impfung 600 - 700
FSME-Fälle jährlich Österreich im Schnitt
zwischen 1997 - 2003
65
FSME-Fälle jährlich Tschechien (vergleichbare Einwohnerzahl) im gleichen Zeitraum (niedrige Durchimpfungsrate) 600
(Quelle: OSR Dr. A. Gränz, "Impfung, nur Wissen zählt!", Vortrag, Bruck/Mur, 12.11.2004).

 

FSME A czech


Siehe auch: Virusepidemiologische Information 2015, Institut für Virologie der Medizinischen Universität Wien


Schutzrate

Ein Maß für die Effektivität von Impfungen ist die sogenannte Schutzrate, die man folgendermaßen errechnet:

Beispiel: Masernausbruch in Coburg (D, 2002):

  Personen unter 18 Jahren davon erkrankt
geimpft 20.300 80
ungeimpft 6.300 1.111

Wenn nicht geimpft worden wäre, wären 1.111/6.300 x 20.300 = 3580 erkrankt, tatsächlich waren es nur 80.
3500 Personen wurden also vor der Erkrankung geschützt. Die Schutzrate beträgt daher: 3500/3580 x 100 = 97,76 Prozent.
(Die Zahlen für die Berechnung stammen aus Epidemiologisches Bulletin 19/2002 und Kinderärztliche Praxis, Sonderheft Impfen, 2002.)

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