Keuchhusten (Pertussis)
Pertussis (Keuchhusten) wird durch Keuchhustenbakterien hervorgerufen und führt zu heftigen, oft monatelang anhaltenden Hustenanfällen mit Atemnot. Pertussis ist eine weltweit vorkommende Tröpfcheninfektion, sie zirkuliert (häufig unerkannt) auch bei uns.
Vor allem für Säuglinge und Kleinkinder sind die Keuchhustenbakterien eine ernste Gefahr. Säuglinge erkranken deshalb sehr schwer, weil sie über keinen Nestschutz verfügen und bei ihnen statt der typischen heftigen Hustenanfälle Atemstillstand eintreten kann. Bei Kleinkindern wiederum begleiten Erstickungsanfälle den oft monatelangen Husten. Weitere Komplikationen können Mittelohr- oder Lungenentzündung sein. Im späteren Leben verläuft eine neuerliche Ansteckung sehr uncharakteristisch, ist aber auch sehr quälend und lang andauernd.
Nach der Keuchhustenimpfung sinkt der Antikörperspiegel im Lauf der Zeit gleich ab wie nach dem Durchleiden des Keuchhustens. Daraus ergibt sich ein zeitlich begrenzter Schutz. Der moderne Keuchhusten-Impfstoff ist azellulär (er enthält nur Teile und nicht den ganzen Erreger) und ist auch über das Kleinkindalter hinaus gut verträglich.
Daher: Lebenslang alle 5 Jahre den Keuchhustenimpfschutz auffrischen.
Die Impfung gegen Pertussis ist im Gratisimpfprogramm für Kinder und Jugendliche enthalten.
Mehr dazu: ECDC Europe: Pertussis, Faktencheck Keuchhusten (BM ASGK)
Pertussis im Detail
Erreger: Bordatella pertussis (Bakterium), selten: Bordatella parapertussis, Bordatella bronchoseptica.
Erregervorkommen: Mensch.
Verbreitung: weltweit
Inkubationszeit: 7 bis 10 (beschrieben Extreme: 5 bis 21) Tage, selten länger
Infektionsquellen und Übertragung: Tröpfcheninfektion, Vermehrung in den Atemwegsschleimhäuten.
Ansteckungsrisiko bei Kontakt (Kontagionsindex): bis zu 90% bei ungeimpften Kindern im selben Haushalt.
Krankheitsbild: Anfangs „grippale Beschwerden“ (Husten, Schnupfen, Rachenentzündungen, Fieber). Nach 1 bis 2 Wochen zunehmend typische stakkatoartige Hustenanfälle, häufig Erbrechen. Nicht seltene Komplikationen sind Bronchopneumonie (bakterielle Lungenentzündung), Mittelohrentzündung, Keuchhustenenzephalopathie, Apnoe (Atemstillstand).
Vorbeugung (Prophylaxe): Schutzimpfung mit Totimpfstoff (als Kombinationsimpfstoff). In Österreich wird nur mehr der azelluläre Pertussisimpfstoff (im Gegensatz zum bis 1993 verwendeten Ganzkeimimpfstoff) verwendet.
Das Durchmachen der Erkrankung hinterlässt keine lebenslange Immunität.
Selten wurde auch eine Kolonisierung geimpfter Personen mit Bordatella nach Kontakt mit erkrankten Patienten beobachtet.
Malinowski, W.: Impfungen in Österreich und anderen europäischen Ländern, Facultas Universitätsverlag, Wien 2005
Quast, U. et al.: Impfreaktionen, Hippokrates Verlag, Stuttgart 1997
DGPI Handbuch Infektionen bei Kindern und Jugendlichen, 6. Auflage, Thieme Verlag 2013
(Ergänzt und überarbeitet von Prof. Dr. Diether Spork und Dr. Andreas Trobisch)
Haemophilus Influenzae Typ B (HIB)
Haemophilus Influenzae Typ B (kurz: HIB) sind weltweit verbreitete Bakterien, die durch Tröpfcheninfektion übertragen werden. HIB ist in Ländern ohne Impfprogramm der häufigste bakterielle Erreger der eitrigen Hirnhautentzündung bei Kleinkindern und endet ohne Behandlung fast immer tödlich. Sogar wenn behandelt wird, bestehen noch bei rd. einem Viertel der Fälle bleibende Schäden wie Schwerhörigkeit oder psychomotorische Behinderung. Eine durch HIB hervorgerufene Epiglottitis (Entzündung des Kehlkopfdeckels) führt zu Erstickungsgefahr und muss unverzüglich intensivmedizinisch betreut werden. Die Infektion verläuft so rasant, dass nur wenige Stunden zwischen völliger Gesundheit und Lebensgefahr liegen. Denn die Erreger bleiben aufgrund ihrer Tarnung in einer Kapsel aus Polysacchariden relativ lange für das Abwehrsystem unsichtbar. Sie können sich in Ruhe vermehren und über das Blut verteilt wichtige Organe angreifen (siehe auch Pneumokokken und Meningokokken). Das Durchmachen der Erkrankung hinterlässt keinen adäquaten Immunschutz.
Seit die HIB-Impfung in das Gratisimpfprogramm aufgenommen wurde, kommt die HIB-Meningitis bei uns praktisch nicht mehr vor. Zuvor erkrankte jedes 400. Kind daran. Gelegentlich wird HIB jedoch bei noch gesunden Keimträgern nachgewiesen.
Die Impfung gegen Haemophilus Influenzae Typ B ist im Gratisimpfprogramm für Kinder und Jugendliche enthalten.
Mehr dazu unter: Haemophilus facts und data EDCD
Haemophilus infl. B im Detail
Erreger: Haemophilus influenzae Typ B (Stäbchenbakterien mit Polysaccharidkapsel)
Erregervorkommen: Mensch (ungeimpfte, gesunde Keimträger, derzeit max. 5 Prozent)
Verbreitung: weltweit
Inkubationszeit: sehr variabel, abhängig vom Krankheitsbild
Infektionsquellen und Übertragung: Tröpfcheninfektion
Krankheitsbild: sehr variabel, gefährdet sind vor allem Kinder unter 5 Jahren; Meningitis (Gehirnhautentzündung), Epiglottitis (Kehlkopfdeckelentzündung), Mastoiditis, Otitis Media (Mittelohrentzündung), Sinusitis (Nebenhöhlenentzündung), Konjunktivitis (Bindehautentzündung), Pneumonie (Lungenentzündung), septische Arthritis (Gelenksentzündung), Pericarditis (Herzbeutelentzündung), präpubertal auch Vulvovaginitis (Scheidenentzündung), Empyeme, Phlegmonen, Abszesse, Osteomyelitis (Knochenentzündungen), Cellulitis (Unterhautgewebsentzündung) oder Sepsis (Blutvergiftung) mit den entsprechenden möglichen Komplikationen.
Vorbeugung (Prophylaxe): Schutzimpfung mit Konjugatimpfstoff (als Kombinationsimpfstoff).
Quellen: H. Kolleritsch und K. Möstl: Impfen 2004, Dr. Peter Müller Buch- und Kunstverlag GmbH, Wien 2004
Malinowski, W.: Impfungen in Österreich und anderen europäischen Ländern, Facultas Universitätsverlag, Wien 2005
Quast, U. et al.: Impfreaktionen, Hippokrates Verlag, Stuttgart 1997
DGPI Handbuch Infektionen bei Kindern und Jugendlichen, 6. Auflage, Thieme Verlag 2013
(Ergänzt und überarbeitet von Prof. Dr. Diether Spork und Dr. Andreas Trobisch)
Hepatitis B
Mit rund zwei Milliarden infizierten Menschen gehört Hepatitis B zu den größten Gesundheitsproblemen der Erde. Jährlich sterben etwa zwei Millionen an ihren Folgen – darunter mehr als eine halbe Million Menschen an Leberkrebs. Gerade bei Säuglingen und Kleinkindern ist zu befürchten, dass eine Erkrankung sehr wahrscheinlich zur Ausbildung von Leberzirrhose und damit zu erhöhtem Risiko von Leberkrebs führt.
Hepatitis B kann durch alle Körperflüssigkeiten (Speichel, Blut, Tränen-, Samen- und Scheidenflüssigkeit etc.) übertragen werden. Neugeborene können bei der Geburt direkt durch infizierte Mütter angesteckt werden. Jugendliche wollen gerne Neues ausprobieren und sind durch ihren oft riskanten Lebensstil besonders gefährdet (ungeschützter Geschlechtsverkehr, intravenöser Drogenkonsum, unsachgemäßes Piercen und Tätowieren).
Indirekt kann man sich aber auch durch Alltagsgegenstände wie Zahnbürsten oder Rasierer, an denen Reste von Blut sind, infizieren. Die Hepatitis-B-Erreger sind enorm widerstandsfähig und dadurch viel ansteckender und weiter verbreitet als die gefürchteten HIV-Erreger.
Mehr dazu: ECDC Europa: Hepatitis B
Die Impfung gegen Hepatitis B ist im Gratisimpfprogramm für Kinder und Jugendliche enthalten. Wenn noch keine Hepatitis B Grundimmunisierung erfolgt ist, kann diese im Schulalter nachgeholt werden.
Hepatitis B im Detail
Erreger: Hepatitis B-Virus (HBV).
Erregerreservoir: Mensch (einige Primaten sind infizierbar). Ausgeschiedene Erreger bleiben aber lange Zeit auf durch Körperflüssigkeiten kontaminierten Gegenständen und Oberflächen infektionstüchtig und können so auch ohne direkten Kontakt zwischen Personen Infektionen auslösen.
Verbreitung: rd. 2 Milliarden Menschen sind weltweit infiziert, etwa 1 Mio. sterben pro Jahr an den Folgen der Infektion.
Inkubationszeit: 4 Wochen bis 6 Monate, meist 40 bis 180 Tage.
Infektionsquellen und Übertragung: Körperflüssigkeiten (Speichel, Blut, Samen- und Scheidenflüssigkeit etc.) eines Virusträgers. Übertragung häufig durch (ungeschützten) Sexualkontakt oder Mehrwegnadeln (Drogen, Tätowieren od. auch Piercen). Bei hohen Konzentrationen von HBV im Blut reicht 0,1 µl für eine Infektion aus. Es kann somit über minimale Haut- und Schleimhautläsionen übertragen werden. Eine mögliche Übertragung durch Stuhl oder Urin findet praktisch nicht statt.
Krankheitsbild: Beginnt mit allgemeinem Krankheitsgefühl, Übelkeit, Erbrechen, Fieber, Appetitlosigkeit. Im weiteren Verlauf (nicht immer) typische Symptome der Gelbsucht: heller Stuhl, dunkler Harn, vergrößerte und schmerzhafte Leber. Bei chronischem Verlauf Leberkarzinom und -zirrhose, bei fulminantem Verlauf akutes Leberversagen, Koma, Tod. Auch nicht Leber bezogene Symptome beschrieben: Arthralgien, Exantheme, Myalgien, Kryoglobulinämie, Glomerulonephritis und Myoperikarditis.
Vorbeugung (Prophylaxe): Schutzimpfung mit Totimpfstoff (auch als Kombinationsimpfstoff).
Malinowski, W.: Impfungen in Österreich und anderen europäischen Ländern, Facultas Universitätsverlag, Wien 2005
Quast, U. et al.: Impfreaktionen, Hippokrates Verlag, Stuttgart 1997
DGPI Handbuch Infektionen bei Kindern und Jugendlichen, 6. Auflage, Thieme Verlag 2013
(Ergänzt und überarbeitet von Prof. Dr. Diether Spork und Dr. Andreas Trobisch)
